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Geld regiert die Pferdewelt

PferdPrimus wird bald 4 Jahre alt. Bisher haben zwar die Kinder und auch ich schon mal drauf gesessen, aber geritten ist er noch nicht. Das wird jetzt erst ganz langsam angefangen. In seinem Alter gehen ganz viele Pferde schon Turniere. Da man das nicht mit einem unausgebildeten Pferd machen kann, kann man sich vorstellen, wie viel früher diese armen Tiere schon den Reiter tragen müssen. Ein Pferd ist erst ungefähr mit 6 Jahren ausgewachsen. Eigentlich dürfte es erst dann erlaubt sein, dass es richtig geritten wird, wobei die Betonung auf „richtig“ liegt.

Leider ist nichts weiter von der Realität entfernt als das. Die Pferde werden viel zu früh und durchaus nicht richtig, d.h. gesundheitsfördernd, geritten. Vielmehr werden sie im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Wenn man sich vorstellt, dass das durchschnittliche Sportpferd keine 8 Jahre alt wird und eigentlich 30 Jahre alt werden könnte, ist das schon erschreckend. Warum ist das so? Denn eigentlich müsste doch jeder darauf bedacht sein, dass sein Pferd lange gesund bleibt.

Wirklich jeder? Und da kommt man vielleicht an eine Antwort. Nein, ganz und gar nicht. Ein Pferd, das 30 Jahre lang gesund ist und gut geritten werden kann, ist für viele ein finanzieller Schaden. Züchter könnten nur knapp ein Viertel der Pferde züchten. Natürlich könnten auch nur ebenso wenig über Auktionen verkauft werden, was ein riesiger wirtschaftlicher Verlust wäre. Den Tierärzten unterstelle ich hier mal keine böse Absicht, da die sowieso fast alle überarbeitet sind. Aber auch die hätten natürlich viel weniger zu tun. Dasselbe gilt für Physiotherapeuten, Chiropraktiker, Osteopathen und andere Behandler. Auch in der Pferdeindustrie sähe es etwas anders aus. Die Masse an unterschiedlichen Hilfszügeln, diversen Sattelunterlagen und anderen Hilfsmitteln, die erfunden werden, um schlechtes Training zu kaschieren, würde nicht mehr gebraucht.

Es haben also sehr viele Menschen einen großen Nutzen daran, wenn die Pferde verheizt werden. Aber darf das sein? Diese Entscheidung muss wohl jeder Pferdhalter für sich selber treffen. Möchte er die Pferdewirtschaft unterstützen oder möchte er über viele Jahre einen tollen Freund haben, mit dem er täglich mehr und mehr zusammenwächst?

Aber jeder, der sich für die zweite Option entscheidet, wird es schwer haben. Viel zu wenige Ausbilder wissen, wie gesundheitsförderndes Reiten wirklich aussieht. Wie soll man das als Reiter also lernen? In welcher Reitschule gibt es schon Schulpferde, die alle Schulterherein, Kruppeherein, Pirourette, Piaffe, Passage und Galoppwechsel können, um nur einige Übungen zu nennen, die für gesundheitsförderndes Reiten und für die Ausbildung der Reiter unabdingbar sind? Es gibt einige wenige solcher Reitschulen, aber man muss sie wirklich suchen.

Primus soll ein solcher „Pferdeprofessor“ werden und unsere anderen Pferde auch, damit Reiter die Möglichkeit haben, die Prinzipien von gesundheitsförderndem Reiten kennen zu lernen. Und wenn er dann mal 30 Jahre alt ist, hat er hoffentlich Vielen gezeigt, wie lohnend es ist, anders mit Pferden umzugehen, anders als es in dieser geldregierten Pferdewelt heute leider großteils üblich ist.

2 Kommentare
  1. DANKE! Danke für diese ehrlichen Worte, die sich kaum einer auszusprechen traut!

  2. Hallo.
    Bin über Facebook auf diesen Artikel gestoßen.
    Habe selbst viel Erfahrung mit Pferden, da ich jahrelang für Händler und Züchter geritten habe.
    Ich stimme euch zu, dass die Pferde generell mehr gymnastiziert werden müssen und vor allem die jungen Pferde zu sehr „gequetscht“ werden.
    Aber wo bitte habt ihr die Studie her, dass Sportpferde nicht älter als 8 Jahre werden?? Das ist völliger Blödsinn! Entschuldigt meine Ausdrucksweise. Ich bin eigentlich froh, dass das mal jemand anspricht. Aber umso trauriger bin ich, dass hier völlig übertrieben wird. Das glaubt doch kein Pferdemensch!
    Abgesehen von Hengstkörungen werden junge Pferde generell nicht vor 3 Jahren eingeritten. Auch bei Züchtern nicht. Und auch dann werden diese nicht stundenweise geritten, sondern immer nur ein paar Minuten am Tag, wobei nicht einmal täglich. (Und können trotzdem Turniere gehen. Halt altersgerecht. Auf den Hengsten setzt sich vielleicht 3-5 mal jemand drauf, einschl. Körung)
    Ich sehe aber weniger das Problem im hohen Sport als vielmehr bei den Hobby-Sportlern. Wie oft wir Pferde von solchen Leuten in Zahlung genommen haben, die wir ersteinmal wieder richten durften. Von der Ausbildungsskala haben solche Leute keine Ahnung. Ihr habt Recht, woher sollen diese Leute das auch wissen? Die Ausbilder und Pferde in den Reitschulen können oft nicht mehr, als „ganze Bahn“ „Zirkel“ wenns hochkommt vielleicht noch ne Schlangenlinie. Alles jedoch ohne Biegung versteht sich.
    Die Hobby-Sportler sind es, die ihre Pferde mit irgendwelchen Hilfszügeln nach unten brechen, vielleicht sogar noch ne Kandarre drauf, damit das Pferd im Busch nicht abhauen kann… Entschuldigt, ich bin über diesen Artikel ziemlich enttäuscht. Hättet ihr besser machen können.

    LG und noch viel Erfolg.

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