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Gedanken zum Welttierschutztag

Ok, zum Welttierschutztag am Donnerstag bin ich heute etwas spät. Dennoch möchte ich ein paar Worte dazu schreiben.

Allerorts wird sich über die Nutztierhaltung aufgeregt. Sicher gibt es bestimmt schwarze Schafe und es ist wohl eine typische deutsche Effekthascherei, dass die immer in den Vordergrund gestellt werden. Die viel häufigeren schönen Beispiele werden leider nicht gezeigt. So ist z.B. der Kuhkomfort in unseren Milchviehbetrieben ein wichtiger Faktor, der in der Regel sehr ernst genommen wird. Denn nur Kühe, die sich wohl fühlen, können eine hohe Leistung bringen. Da gibt es dann Gummimatten in Liegebuchten, auf denen ich auch schlafen könnte. Oder rotierende Bürsten, wo sich die Kühe jederzeit eine gute Rückenmassage gönnen können usw.

Und auch wenn es für viele ein rotes Tuch ist, es gibt viele Versuchshunde, die besser gehalten werden als der durchschnittliche Familienhund. Aber auch diese Beispiele werden leider nicht gezeigt.

Für viele Beispiele kann man ähnliches beobachten. Es wird sich über wenige schwarze Schafe aufgeregt und auf die gesamte Nutztier- bzw. Versuchstierhaltung verallgemeinert.

Ein Bereich, auf den meiner Meinung nach noch viel zu wenig geguckt wird, sind Tiere im Freizeitbereich, nämlich Hunde und Pferde, und der Umgang der Menschen mit diesen „Freizeitpartnern“.

Da werden Reitanfängern Sporen angezogen, Pferde, die durch die konfusen Signale der ungeschickten Reiter angeblich falsch reagieren, werden als dominant und stur betitelt und entsprechend wird mit ihnen umgegangen. Auf die gesundheitsschädlichen Vorgehensweisen im Sport möchte ich hier gar nicht erst eingehen, das würde den Rahmen sprengen.

Im Hundetraining sieht es ähnlich aus. Trainingsanfänger bekommen Folterinstrumente wie Stachelhalsbänder, Würgehalsbänder oder Geschirre mit Zugwirkung unter den Achseln in die Hand, obwohl sie weder Ahnung von deren Wirkung noch die nötigen Fähigkeiten haben, sie richtig einzusetzen.

Da wird seltsamerweise nicht auf Tierschutz geachtet, obwohl es ganz klar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ist, wenn Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen zugeführt wird. Und Unfähigkeit der Menschen kann ich kaum als vernünftigen Grund anerkennen.

Auch die angebliche „Dominanz“, die immer wieder angeführt wird, gegen die man sich durchsetzen muss, kann ich nicht mehr als vernünftigen Grund gelten lassen. Denn schon lange ist nachgewiesen, dass Dominanz nichts mit Training zu tun hat.

Leider gibt es sowohl in der Pferde- als in der Hundewelt viele lernresistente Fachleute, die ich genau aus diesem Grund auch nicht als solche bezeichnen möchte. Sie haben sich – wenn überhaupt – schon lange nicht mehr mit wissenschaftlichen Fakten beschäftigt, verstehen es aber umso besser, völligen Unfug als große Wahrheiten zu verkaufen. Alle Trainingsmethoden, die auf dem Irrtum der Dominanz beruhen, sind aus Tierschutzgesichtspunkten äußerst bedenklich, besonders wenn sie von ungeschickten Anfängern angewandt werden.

So liegt also gerade im Freizeitbereich noch einiges tierschutzmäßig im Argen, aber da regt sich seltsamerweise kaum einer auf, obwohl es da sogar eher die Regel als die Ausnahme ist. Aber hier kann sogar ganz öffentlich ohne vernünftigen Grund Tieren Schmerzen zugefügt werden

„Gewalt beginnt da, wo Wissen endet.“ Das Dumme ist nur, dass sie ohne Wissen nicht erkannt wird.

Für den Tierschutz ist es also unerlässlich, das Wissen um zeitgemäßes Hunde- oder Pferdetraining und um das Verhalten der Tiere immer weiter zu verbreiten, wie wir es in der Tierakademie tun. Im Namen des Tierschutzes ein großes Dankeschön an alle, die sich dem genauso verschrieben haben wie wir! Es gibt noch viel zu tun!

Viviane Theby

5 Kommentare
  1. DANKE! Es wurde Zeit, dass diese wahren Worte mal geschrieben wurden!

  2. Das ist eine Frechheit das alltägliche millionenfache Abschlachten unserer „Nutz“tiere so hinzustellen
    als wenn sie selten wären. Meiner Meinung haben Sie viel zu wenig Wissen, denn sonst würde sie nicht
    als Effekthascherei bezeichnen und so tun als wenn viel mehr davon es gut hätten.
    Ich finde Sie sollten sich besser informieren über Tierversuche und Nutztierhaltung. Die wenigsten dieser
    Abermillionen bekommen eine „Massage“.
    Für diese Lügen müsste man sich schon schämen.

  3. Sprichst mir direkt aus der Seele. Wurde Zeit, dass so etwas mal angeprangert wird.

  4. Das sehe ich genau so!

    Mir fallen dazu auch noch die unzähligen Meerschweinchen und Kaninchen ein, die in Einzelhaft in winzigen Käfigen mit fragwürdiger Fütterung und Fürsorge ihr Dasein in deutschen Kinderzimmern fristen. Da ist die angebliche Liebe ihrer Besitzer kein Ersatz für das Wissen um die Bedürfnisse dieser Tiere. Und auch hier glaube ich, dass es vielen professionell gehaltenen Versuchstieren besser geht.

    Also: Machen wir weiter mit unserer Aufklärungsarbeit wo wir es können 🙂

  5. Leider kann ich mich diesen Gedanken so nicht anschliessen. Ich teile die Meinung, dass bzgl. Heimtiertraining noch viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu leisten ist und dass leider viele Besitzer ihre Haustiere nicht wirklich verstehen. Diesbezüglich schätze und anerkenne ich die Arbeit von Viviane in der Verhaltenstherapie und –der Schulung der Tierbesitzer.
    Jedoch wegen dem am Tierschutztag den dringlichen Bedarf, die Zustände der Nutztierhaltung oder Labortieren zu Verbessern als unnötig zu bezeichnen, da geht für mich irgendetwas nicht auf…
    Wie kann behauptet werden, dass die meisten Nutztiere in schönen Verhältnissen wohnen? Oder dass es Hunden in Versuchslabors besser gehe als dem durchschnittlichen Familienhund??? Was bringen Gummiliegematten und rotierende Bürsten, wenn Kühe schon lange keine Tiere mehr sind, sondern „Hochleistungsmaschinen“, die nur ein kleinen Teil ihrer eigentlichen Lebensspanne leben (5-6 Jahre statt 25 Jahre), da sie danach nicht mehr die gewünschten Erträge produzieren und somit unrentabel werden? Abgesehen davon, dass nicht die überwiegende Menge über solche Haltungsformen verfügt. Wenn jedes Jahr noch am Tag der Geburt die Kälbchen von ihren Müttern getrennt werden, weil die sonst ihre (…) zum Verkauf gedachte KUHmilch trinken würde? Wenn prallgefüllte Euter in der Bewegung einschränken, spannen, schmerzen und chronisch entzündet sind (rund 30% der Milchkühe leiden an Mastitis)? Wenn nicht mehr das natürliche Futter zu sich genommen werden darf, da dieses nicht die gewünschte hohe Milchleistung bringt, dafür aber zu vielen schmerzhaften Krankheiten führt? Gegen 50% aller in Deutschland lebender Kühe enthornt werden, um sich gegenseitig nicht zu verletzen? Und und und, es gibt noch dutzende von Gründe, die tierschutzRELEVANT SIND und die wir wohl nicht am eigenen Leibe erleben möchten. Wie kann da diese ganze Problematik so als unbedeutend abgetan werden und die Wichtigkeit auf die Freizeittierhaltung, in welcher in grundsätzlich annehme, dass die Tierbesitzer ihre Tiere mögen und das Beste für sie nach ihrem Wissen (auch bei vorhandenen Wissenslücken) und ihren Möglichkeiten unternehmen, umpolarisieren?
    Nun ja, mit Tierschutz von Gebrauchstieren kann nicht wirklich Geld gemacht werden. Und alleine um Profit, nicht um die Nähe zu Tieren, um Empathie ihnen gegenüber oder Freude an ihrer Existenz geht es in der Nutztierhaltung.
    Ich wünsche mir, die Menschen würden wieder vermehrt Mitgefühl zeigen, sich in die Haut anderer einzufühlen versuchen, den eigenen Vorteil nicht an erster Stelle zu haben. Informiert Euch über die Zustände auf dieser Welt. Und tut es bzgl. Nutztieren nicht bei Leuten, die an diesen verdienen…

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